Heiterkeitsklangwölkchen

Da die ‚Fränkische Landeszeitung’ online nicht zu lesen ist, erlaube ich mir, hier Auszüge aus der Kritik zu ‚Frau Luna’ von Thomas Wirth zu zitieren, die in der Ausgabe vom Montag, 7. Mai unter dem Titel ‚Fritten mit Musik’ erschienen ist:

„Was Hartmut Scheyhing und Alvaro Schoeck ohne Orchester und Sänger, aber mit einem spielfreudigen Schauspielensemble aus Paul Linckes piefiger Mondfahrer-Operette herausholen, hat allen Respekt verdient. […] Alvaro Schoeck nutzt den Schnellimbiss für ein angeschrägtes Entschleunigungsprogramm in Zeiten zerbröselnder Rollenbilder, emanzipierter Frauen und orientierungsloser Männer. Seine Inszenierung sieht aus, als sei ‚Frau Luna’ schaumgebremst auf einen Franz-Wittenbrink-Liederabend geprallt, nicht ohne vorher die ‚Drei Damen vom Grill’ und ‚Stomp’ zu streifen. […] Die dezente Tonspur zur Geschichte folgt dem Original: Alle Luna-Schlager sind da, aber Hartmut Scheyhing hat sie humoristisch verfeinert. Gitarren, Tin Whistle, Akkordeon, Mundharmonika, Cajon, Geige, Glockenspiel und allerlei betrommelbare Haushaltsgegenstände ergeben einen farbigen Sound irgendwo zwischen Lagerfeuerromantik und Kindergeburtstag. Das hat Witz und Poesie und hilft über schiefe Sangestöne hinweg. Paul Linckes Ufftata-Frohsinn löst sich in Heiterkeitsklangwölkchen auf.

Der Absatz über das in jeder Hinsicht große Ensemble sei hier ungekürzt widergegeben:

„Die Figuren entwickeln Format. Einigen kann man sogar in die Seele linsen, so wie man dem Nachbarn abends beiläufig durchs Fenster schaut, wenn er das Licht anhat. Hartmut Scheyhing als Theophil – hier kein Mond-Hofmeister, sondern der Stenz vom Nollendorfplatz – und Claudia Dölker als Grill-Chefin Pusebach drehen mächtig auf. Sie sind die musikalischen Säulen. Sophie Weikert als Stella berlinert prächtig. Gerald Leiß zeichnet als wurstiger Pannecke und als verzückt flötende Venus zwei loriotwürdige Gestalten. Die drei Charakterkomödianten des Abends sind Anna Mariani, Andreas C. Meyer und Andreas Peer. Mariani trägt die Kittelschürze ihrer Marie mit einer glaubwürdigen Mischung aus Charme, Naivität und intellektuellem Durchsetzungswillen. Meyer gibt seinen Fritz Steppke versponnen, maulig, nachdenklich und mit einem Drang nach Höherem. Andreas Peer hat als Lämmermeier – ein traumatisierter Halbstarker, dem es die Sprache verschlagen hat – am Ende im weißen Anzug und blauen Rüschenhemd seinen großen Auftritt. Er zersingt die ‚losen, munt’ren Lieder’. Ihre fidele Selbstgefälligkeit wird bitter. Da stürzt einer ab. Die ‚Berliner Luft’ fegt dann flott darüber hinweg. Was ein doppelbödiger Schuss ist.“

Vorstellungen gibt es bis zum 9. Juni, Karten und weitere Informationen unter: http://www.theater-ansbach.de/theater/spielzeit-20172018/frau-luna/

 

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